Berufliche Erfahrung
Nach meiner 1979 begonnenen Ausbildung zur
Gemälderestauratorin an der Österreichischen
Galerie in Wien und am Herzog Anton Ulrich-Museum
in Braunschweig (1980) wechselte ich 1981 in den Bereich
Glasrestaurierung, in dem ich für drei Jahre am Restaurierungszentrum
Düsseldorf beschäftigt war. Volontariate
für die Restaurierung von Glas führten mich in das Römisch-Germanische
Museum in Köln und in das Museum
für Kunst und Gewerbe in Hamburg (1983 - 1984).
Meine erworbenen Kenntnisse in der Konservierung und Restaurierung der
Werkstoffe Malfarbe und Glas bildeten eine fundierte Grundlage zum
Erhalt von Hinterglasmalerei. Die Restaurierungstechnik dieses
Fachbereiches eignete ich mir 1984 in der Werkstatt des Bayerischen
Nationalmuseums in München an und setzte die Arbeit
an der Hinterglaskunst in selbständiger Tätigkeit
fort.
Seit 1985 bin ich auf die Konservierung und
Restaurierung von Hinterglasbildern spezialisiert. Für
zahlreiche bedeutende Museen und Privatsammlungen in Deutschland sowie
im europäischen und außereuropäischen
Ausland habe ich weit über 500 Hinterglasbilder restauriert.
Mehrere Arbeitsaufenthalte führten mich nach USA,
Großbritannien und die Schweiz.
Nach erfahrungsreichen Jahren mit der
Beschäftigung volkskundlicher Hinterglasmalerei des 18./ 19.
Jahrhunderts habe ich mich höchst anspruchsvollen
Restaurierungsarbeiten zugewendet. Dazu zählen erstrangige
Werke des 14. bis 17. Jahrhunderts, die zum Teil in folgenden
fünf Ausstellungen über Hinterglasmalerei
präsentiert wurden:
- “Amalierte Stuck uff glas/Hinder Glas
gemalte Historien und Gemäld”,
Schloßmuseum in Murnau, 1995
- “Glas Glanz Farbe”,
Schloßmuseum in Murnau, 1997
- “Farbige Kostbarkeiten aus
Glas”, Kabinettstücke der Zürcher
Hinterglasmalerei 1600 - 1650, Bayerisches Nationalmuseum in
München, 1999; Schweizerisches Landesmuseum in
Zürich, 2000
- “Glanzlichter”, Die Kunst
der Hinterglasmalerei, Musée Suisse du Vitrail in Romont,
2000; Museum in der Burg in Zug, 2000/ 2001
- „... welche zuweilen Kunstwerth
haben.“ Hinterglasmalerei in Südbayern im 18. und
19. Jahrhundert, Schloßmuseum in Murnau, 2003
Die Restaurierung von vier amelierten Prunkhumpen in der
Qualität von Kunstkammerstücken waren die
anspruchvollsten Arbeiten meiner bisherigen Laufbahn, wie
beispielsweise der Humpen der Elisabeth Herzogin von Mecklenburg, Hans
Jakob Sprüngli, Zürich, um 1618-25, Hessisches
Landesmuseum Kassel wie auch der Humpen der Herzöge von
Mecklenburg-Schwerin, Hans Jakob Sprüngli, Zürich, um
1610, Staatliches Museum Schwerin (gefördert durch die Rudolf
August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und
Denkmalpflege, Bielefeld). Ein zusätzliches Arbeitsgebiet
liegt in der Restaurierung von hintermalten Doppelwandschalen sowie von
Hinterglasbildern eingebunden in Altären (Theodosia-Altar, 1545, Museum
Catharijneconvent, Utrecht), Kabinettschränken und von
Prunkspiegeln.
Meine Tätigkeit umfaßt
außerdem Referate im In- und Ausland (z.B. für die
„Tagung zur Hinterglaskunst. Naturwissenschaftliche und
konservatorische/ restauratorische Aspekte der
Hinterglasmalerei“, Schloßmuseum Murnau, 26.
– 28.5.2006 sowie für die 2. Hinterglastagung in
Oberammergau, 12.- 14.10.2007 ). Außerdem gehört die
Lehrtätigkeit, Weiterbildung und Betreuung von Diplom- und
Facharbeiten von Kollegen zu meinem Aufgabengebiet, wie für
das Victoria & Albert Museum in London, das West Dean College
in Chichester (GB) und das Netherlands Institute for Cultural Heritage
in Amsterdam (NL).
Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Schweizerischen
Forschungszentrums zur Glas- und Hinterglasmalerei in Romont (CH)
über die “Untersuchung von Schweizer
Hinterglasmalerei des 17. Jahrhunderts. Grundlagen zur Schweizer
Kunstgeschichte”, finanziert durch den Schweizerischen
Nationalfond brachte ich meine Kenntnisse auf dem Gebiet der Mal- und
Glastechnik ein (1998 - 2002).
In einem im Mai 2006 begonnenen Forschungsprojekt,
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und
beantragt durch die Bundesanstalt für Materialforschung und
–prüfung (BAM) sowie das Museum Schnütgen
in Köln mit dem Titel „Die Hinterglasmalerei in
Flandern, Burgund und am Niederrhein von 1330 bis 1550.
Ursprünge der ‚kalten Malerei’ auf Glas
unter Berücksichtigung der Einflüsse durch die Glas-
und Tafelmalerei“ befasse ich mit den technischen Aspekten
der spätmittelalterlichen Hinterglasmalerei, dem Studium der
Quellenschriften sowie der Rekonstruktion historischer Maltechniken
(Näheres siehe unter www.dfg.de - Stichwort ‚
Geförderte Projekte’).
Erst kürzlich abgeschlossen wurde die
Konservierung/ Restaurierung eines Hausaltares mit sieben
Hinterglaseinlagen, wohl Nürnberg, um 1580 des Corning Museum
of Glass, Corning, USA. Das Projekt, fachlich unterstützt vom
Doerner Institut in München wurde von der Getty Foundation,
Los Angeles finanziert.
Zur Zeit befindet sich eine Doppelwandschale
in Hinterglasmalerei,
„Liegende Venus“ von Hans
Jakob Sprüngli, Zürich, um 1610-1620 aus der Sammlung
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Schlossmuseum in Restaurierung.
Die Bindemittelanalysen werden auch hier vom Doerner Institut
ausgeführt. Finanzielle Unterstützung
erfährt das
Restaurierungsprojekt von der Ernst von Siemens Kunststiftung
München.
Ich bin Mitglied folgender Verbände: VDR
(Verband der Restauratoren), IIC (International Institute for
Conservation), ICOM (international Council of Museums), AIHV
(Association Internationale pour l’Histoire du Verre), DGG
(Deutsche Glastechnische Gesellschaft).
Weitere Informationen zu Simone Bretz unter www.revertro.eu.
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